Ferien und andere Erkenntnisse

Grauenhaft. Schon wieder Ferien. Eigentlich ist es gar nicht so schlimm, würde ich nicht erfahren haben, dass mein Vater nicht mehr arbeiten geht. Jetzt begegne ich ihm noch häufiger.

Ich versuche so viel Zeit wie nur möglich in meinem Zimmer zu verbringen und je nach Möglichkeit auch rauszugehen. Die letzten Tage waren echt anstrengend und auch langweilig. Aber ich habe das Gefühl, dass ich besser damit klar komme. Vielleicht weil ich mich nicht mehr auf jede Diskussion einlasse. Vielleicht auch, weil ich mich nur um mich kümmere.

Ich war diese Woche bei meiner Stimmtherapie. Meine Stimme ist immer noch weg und es hat sich nichts gebessert. Diagnose: psychogene Aphonie. Wie sich das anhört. Und das alles nur wegen meiner Situation hier zu Hause. Meine Therapeutin hat auch gesagt, dass sich meine Lebensumstände ändern müssen. Mein Körper reagiert nämlich auf solche Veränderungen. Das war schon immer so. Wenn ich ein ungutes Gefühl oder wieder einmal einen Streit mit meinen Eltern hatte, hat sich das immer auf meine Gesundheit ausgewirkt. Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Halsschmerzen. Und jetzt streikt mein Körper völlig. Meine Stimme ist weg und mein Körper signalisiert mir damit, dass er nicht mehr kann.

Ich werde schon sehr bald eine Entscheidung treffen müssen, die mein Leben verändern wird. Davor habe ich aber große Angst. 
Das wird alles verändern und vielleicht werde ich auch mit meiner Familie brechen müssen. Aber ich habe nur diese eine Wahl: Familie oder meine Gesundheit. Beides geht nicht und ich glaube das wird eine schmerzvolle Erfahrung für mich werden.
 

26.12.08 11:05, kommentieren

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Besuch

Heute war ausnahmsweise ein halbwegs normaler Tag.
Mein Bruder, der weit von uns wohnt, kam heute zu Besuch. Er war eigentlich der einzige aus der Familie, zu dem ich ein halbwegs normales Verhältnis hatte. Er hat mich nie verurteilt und gab mir auch in vielerlei Hinsicht Recht.

Aber irgendetwas hat sich geändert. Er begegnete mir total kühl und wechselte kaum ein Wort mit mir.
Ich weiß nicht, was er hat und ehrlich gesagt kann mir das auch egal sein. Mittlerweile brauche ich niemanden von ihnen.

Was mich ein wenig überraschte war, dass mein Vater plötzlich ganz anders war, irgendwie liebevoll. Aber das war ja klar. Mein Vater wartet immer noch darauf, dass er heiratet.

Zumindest in dieser Hinsicht scheinen mein Bruder und ich uns zu ähneln. Er hat auch keine Lust zu heiraten.

Ich wollte eh keine Zeit mit ihnen verbringen. Ich war in der Stadt und war froh, für diese Zeit weg zu sein. So langsam gewöhne ich mich an diese schöne einsame Freiheit.

1 Kommentar 13.12.08 16:28, kommentieren

Fremde und Erinnerungen

Heute war ein stressiger Tag und als ob das nicht reichen würde, musste ich mir zu Hause anhören, wie viel Arbeit am Wochenende auf mich warten würde.
Ich meine, wen interessieren schon die Klausuren, die ich nächste Woche schreiben muss.
Aber das lasse ich mir nicht bieten. Ich verschwinde morgen früh, damit ich meine Ruhe habe.

Mein Vater hat mich seit dem Drogenvorwurf keines Blickes mehr gewürdigt und es macht mir nicht mal was aus. Früher hätte ich mich in mein Zimmer verkrochen und geweint, weil ich mich einsam und missverstanden fühle.
Aber heute ist alles anders. Ich habe gelernt, dass es nicht meine Schuld ist, wenn ich mich mit meinen Eltern gestritten habe. Sie haben es geschickt gemacht mir Schuldgefühle einzureden. Mittlerweile zieht diese Masche nicht mehr. 
Klar ist es manchmal zu viel für mich, wenn es mal wieder einen Streit gab. Und danach geht es mir auch eine Weile schlecht, aber ich komme besser damit klar.

Meine Gefühle gegenüber meinem Vater haben sich komplett geändert. Ich fühle nichts mehr für ihn. Ich bin seine Tochter, die ihn enttäuscht hat und das werde ich wohl immer bleiben. Er wird sich nichts ändern.

Ich wünschte, ich könnte wieder Keyboard spielen. Das hat mir früher immer geholfen alles zu vergessen. Ich bin in eine andere Welt abgetaucht und habe für einen Augenblick meine Sorgen und Probleme vergessen. Diese Augenblicke wünsche ich mir wieder zurück.

12.12.08 19:48, kommentieren

Vorwürfe, die mich verletzen

Man glaubt, dass man in Ruhe gelassen wird, wenn man der Familie nichts zu sagen halt. Aber Fehlanzeige.

Ich hoffe immer so sehr, dass mir keine dummen Fragen gestellt werden, denn diese stellen sie nur, weil sie glauben, sie müssten dies tun, da dies ihre Pflicht sei.
Auf die Heuchelei kann ich gut verzichten.

Doch ich wurde leider nicht verschont. Letztens kam mein Vater und wollte ein Gespräch mit mir führen. Ich hatte ein komisches Gefühl, was sich kurze Zeit auch bestätigte. Ich dachte, dass er mir wieder mit Heiratsanträgen kommt, aber das war schlimmer.

Mein "Vater" warf mir vor Drogen zu nehmen und fragte mich, ob ich mir diese spritzen würde. Er sagte das so also ob es das Normalste der Welt wäre.
Mir liefen 1000 Gedanken durch den Kopf, aber in diesem Moment wusste ich einfach nicht, was ich sagen sollte. Er hat sogar meine Ärmel nach Stichen durchsucht. Für mich war das demütigend. Nie ist er so weit gegangen, aber das war zu viel.

Ich bin mir noch mehr sicher, dass ich von hier weg will. Ich halte das nicht mehr aus...

9.12.08 21:46, kommentieren

Leben in der Fremde

Ein Wort, ein falscher Blick und man wird wieder an alles erinnert.
Es ist schwer immer daran zu denken, dass man tatsächlich zu dieser Familie gehört. Ich fühle mich von Tag zu Tag fremder.
Woran das liegt?
Vielleicht daran, dass mir meine Familie nichts zu sagen hat und ich ihnen nichts. Vielleicht aber auch, weil ich gemerkt habe, dass es nichts bringt, wenn ich versuche mit ihnen zu reden.

Sie beharren auf ihre Meinung, weil sie ja die Erfahrenen sind und alles besser wissen. Dass sie auch mal falsch liegen können, kommt ihnen nicht in den Sinn. 

Es ist für mich jedes Mal schwer ein Gespräch anzufangen, weil mir ständig in meinem Hinterkopf schwebt, was sie mir alles angetan und mir an den Kopf geworfen haben. Manchmal denke ich mir, dass ich die Vergangenheit einfach hinter mir lassen sollte. Aber es braucht manchmal eben nur ein falsches Wort, ein falscher Augenblick und die Wunden reißen wieder auf.

Ich entfremde mich immer mehr von ihnen und sie scheinen das nicht zu bemerken oder sie ignorieren es bewusst. Irgendwann werden sie zu spät merken, dass es ein Fehler war.

1 Kommentar 3.12.08 19:09, kommentieren

Erinnerungen

Es ist wie ein Teufelskreis. Man glaubt, dass es irgendwann doch besser werden sollte. Ich zumindest habe mal diese Hoffnung gehegt. Wie oft sagte ich mir: Du musst geduldig sein. Irgendwann werden sie dich, deine Träume und deine Wünsche verstehen. Doch je älter ich werde, desto geringer wird die Hoffnung. Ich werde erwachsener und betrachte die Dinge unter einem anderen Gesichtspunkt.
Ich erkenne nach und nach, dass sie - insbesondere mein Vater - sich nicht ändern werden.

Jeden Tag mache ich mir meine Gedanken. Liebt er mich? Bedeute ich ihm auf positive Weise etwas? Denn wenn überhaupt, dann zeigt er es nicht. Schon seit meinem 13. Lebensjahr vermittelt er mir das Gefühl, ich wäre nichts wert. Wie viele Nächte habe ich schon mit Weinen verbracht? Wie oft mir Gedanken über mein Verhältnis gemacht? Jedes Mal gab ich mir an allem die Schuld. Kein Wunder, denn alle gaben sie mir.
Heute weiß ich, dass es nicht an mir liegt. Ich habe so oft versucht Kompromisse mit ihm zu schließen, aber Fehlanzeige. Er ist nie darauf eingegangen.

Wenn ich an meine Kindheit denke, dann wünsche ich mir manchmal wieder Kind zu sein. Als Kind hatte ich ein gutes Verhältnis zu meinem Vater. Doch heute, heute zerstört er mein Leben, ohne es zu merken.

Wie soll es weitergehen? Ich weiß es nicht, noch nicht...

19.11.08 19:35, kommentieren

Man glaubt, dass es irgendwann besser wird

Man sieht sich jeden Morgen, man begegnet ihnen, ob wir wollen oder nicht. Ja, der lieben Familie kann man nicht entkommen.

Ich begegne meinem Vater, ein kurzes "Hallo" und der Gesprächsbedarf für diesen Tag ist gedeckt. Mehr habe ich zumindest nicht mehr zu sagen. Worüber sollte ich auch mit ihm reden? Was ich an dem Tag in der Schule gemacht habe? Was ich mit meinen Freunden erlebt habe? Nein, denn er würde das nicht verstehen. Er hat mich bis jetzt noch nie verstanden.

Was mich quält oder wie es mir geht, all die Dinge interessieren mich nicht. Aber wehe, ich tue etwas, was er nicht wollte, dann auf einmal bin ich wieder sichtbar für ihn. Dann gibts erstmal wieder einen Streit, indem wieder verletzende Sätze fallen. Ich tue immer so, als ob ich resigniere und verschwinde in mein Zimmer. Dieser Tag ist dann für mich gelaufen. Ich bin dann depremiert und denke mir, soll mein Leben weiterhin so verlaufen? Ich weiß es nicht...

2 Kommentare 8.11.08 12:32, kommentieren